AKTUELLES
Juli 2010
Zu helfen, bereichert das Leben“
Interview von Anna Sommer für die SZ/BZ am 07.07.2010
Engagement in der ganzen Welt: Waltraud Walz leitet das landesweite Forum der Hilfsorganisation humedica mit Sitz in Böblingen.
Die SZ/BZ-Jugendredaktion hat mit ihr über ehrenamtliche Hilfe gesprochen.
Was ist humedica?
Waltraud Walz: „Humedica ist eine internationale Hilfsorganisation mit ihrer Zentrale in Kaufbeuren. Unser Schwerpunkt ist medizinische Katastrophenhilfe. Bei Überschwemmungen, Hungersnot oder Erdbeben senden wir so schnell wie möglich medizinische Teams in die Katastrophengebiete um vor Ort zu helfen. Die Ärzte machen diese Einsätze ehrenamtlich. So waren Anfang dieses Jahres viele Ärzte für humedica in Haiti und haben die Erdbebenopfern medizinisch behandelt. Es gibt aber auch Langzeitprojekte, wie eine Schule in Sri Lanka, eine Kindertagesstätte in Brasilien oder ein Krankenhaus in Niger. In den Langzeitprojekten arbeiten auch viele Einheimische. Unser Ziel ist es, die Leitung dieser Projekte an sie zu übergeben.“
Gibt es auch Probleme in der Projektarbeit?
Waltraud Walz: „Viele Menschen werden nur durch die Presse auf die Notstände in anderen Ländern aufmerksam. Wenn die Pressemeldungen dann versiegen, stirbt der Spendenfluss jäh ab. Die Lage in dem jeweiligen Land bleibt jedoch schwierig und ohne weitere Spenden ist es oft nicht möglich, dort weiter zu helfen. Deshalb benötigen wir auch mehr ehrenamtlich Tätige, die weiter auf die Probleme aufmerksam machen, da auch nach Katastrophen weiter gespendet wird.“
Was können Kinder und Jugendliche tun?
Waltraud Walz: „Besonders gut können Schüler helfen. Sie können beispielsweise einen Kuchenverkauf oder ein Benefizkonzert an ihrer Schule organisieren und nebenher die Schüler, Lehrer, Eltern und Besucher über die Schwierigkeiten des Landes nach einer Katastrophe informieren. Auch die ganz Kleinen können schon helfen. Bei der ‘Aktion mit Herz’ werden vor Weihnachten Pakete gepackt. Der Inhalt sollte ungefähr den Wert von zwanzig Euro haben. Diese Geschenke werden an arme Kinder in verschiedenen Ländern geschickt. Die Kinder freuen sich wahnsinnig über diese Geschenke.“
Warum sollte man ehrenamtlich arbeiten?
Waltraud Walz: „Menschen in Katastrophengebieten brauchen ganz dringend unsere Hilfe. Wir können mit dieser Hilfe Leben retten und den Menschen wieder Mut und Hoffnung geben. Sie sind sehr froh und dankbar für jeden Helfer. Wenn man sieht, wie man jemandem geholfen hat, bereichert und erfüllt dies das eigene Leben. Außerdem macht es einem bewusst, wie gut wir es in Deutschland haben. Man schätzt, was man hat, wieder mehr.“
Anna Sommer
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Februar 2010
Die erste Veranstaltung des humedica Forums BW:
Der Vortrag von Professor Domres im Ev. Gemeindehaus in Schönaich
Vor 85 Zuhörern berichtete Professor Domres über seinen Einsatz in Haiti. Mit vielen Bildern vermittelte er die dramatichen Umstände, die derzeit in Haiti herrschen. Das große Interesse und die Betroffenheit der Zuhörer spiegelte sich auch in den zahlreichen Fragen im Anschluß an den Vortrag wieder.
humedica bedankt sich herzlich für die eingelegten Spenden. Sie werden für die dringende Aufbauhilfe und medizinische Unterstützung verwendet (unter anderem ist eine Prothesenwerkstatt in Port-au-Prince ist in Planung).
Professor Domres beim Amputieren in Port-au-Prince
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Januar 2010
Verheerendes Erdbeben auf Haiti
170.000 Tote, unzählige Verletzte und 1 Million Obdachlose - das ist die vorläufige Bilanz des Erdbebens auf Haiti. Ein Land, das vor der Katastrophe schon in Armut versank ...
Das erste humedica Team war innerhalb weniger Stunden vor Ort in Port-au-Prince und konnte in einem Krankenhaus mitten in Port-auf Prince sofort mit dem Behandeln von Verletzten anfangen. Professor Domres, einer unserer Gründungsmitglieder, war mit im ersten Team.
Das Schwäbische Tagblatt, Tübingen berichtete am 30. Januar, nach seiner Rückkehr, wie folgt:
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"Nie kann man so viel Leben retten"
Der Tübinger Mediziner Bernd Domres hilft in Haiti mit einem Minimum an Mitteln
Professor Bernd Domres ist einer der erfahrensten deutschen Katastrophenmediziner. Seine Spezialität ist, mit einfachsten Mittel wirkungsvoll zu helfen. In Haiti rettete der Tübinger Arzt wieder Menschenleben.
(von Raimund Weible)
Siena liegt ihm wieder zu Füßen. Die zwölfjährige Hündin mit dem wuscheligen Fell hat sich mächtig gefreut, als ihr Herrchen zurückkehrte. Zwei Wochen war Bernd Domres von zuhause weg. Er war mal wieder auf Tour - auf seine Art. Seine Spezialität ist: Menschenleben retten. Aus schlimmsten Situationen das Beste machen. Mit einfachen Mitteln das Optimale erreichen. Das hat er im Erdbebengebiet Haiti in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Humedica demonstriert. Wieder einmal.
Hat in Haiti Betroffene operiert: Professor Bernd Domres. Täglich hat der 71-Jährige in der einsturzgefährdeten Frauenklinik Espoir von Port-au-Prince 14 Stunden gearbeitet, ohne Strom, ohne Betten, ohne Wasser, ohne Medikamente. Oft im Dunkeln. Dann setzte er sich eine Stirnlampe auf den Kopf und operierte im Schein des Lichtkegels. Domres und seine Mitarbeiter lebten von trockenem Brot, Käsescheiben und Wasser, jeden Tag in Sorge vor einem neuerlichen Beben. Vom Nachbeben mit Stärke 6 ist auch er heftig durchgeschüttelt worden. Seine Kollegen erlebten es in Zelten. Domres selbst wurde davon in der amerikanischen Schule überrascht, in die er sich wegen einer Erkältung einquartiert hatte.
Trotz der Strapazen wirkt Domres jetzt, wenige Stunden nach der Heimkehr, nicht erschöpft. Ruhig, gelassen, unrasiert sitzt Domres am Tisch seines Tübinger Apartments. "Wir sind dicke Freunde geworden", sagt er über seine Mitarbeiter in Port-au-Prince: zwei Koordinatoren, zwei Internisten, eine Amtsärztin, ein Zahnarzt, ein Medizinstudent, vier des Kreolischen mächtige Dolmetscher. Die Stärke von Domres ist, das Positive im Negativen zu sehen und unter Extrembedingungen kühlen Kopf zu bewahren. Er ist in Haiti mit unglaublich viel Elend konfrontiert worden. Kaum waren sie in dem verlassenen Krankenhaus eingetroffen, ließen die Koordinatoren per Lautsprecher verkünden, hier werde ein Notlazarett eröffnet. Kurze Zeit später standen die Menschen Schlange. "Wir haben kaum Zeit gehabt, unsere Rucksäcke in die Ecke zu stellen."
Er wurde konfrontiert mit Menschen mit scheußlichen Verletzungen, vielen Toten. Ein paar wenige Patienten sind ihm unter der Hand weggestorben. Das bedrückt ihn, doch er blendet den Tod aus. Was ihn stark macht, sind die vielen Erfolgserlebnisse. 106 Menschen hat er mit seinem Team in mehr als einer Woche das Leben gerettet. "Es überwiegt das Glück", sagt Domres, "das Team hat weder körperlich noch seelisch Schaden erlitten." Was Domres an einer Aufgabe wie in Haiti so fasziniert: "Sie können nie so effektvoll Leben retten wie in solchen Situationen." Er könnte als emeritierter Universitätsprofessor ein ruhiges Pensionärsleben fristen oder ausschließlich am Schreibtisch arbeiten. Er liefert als Mitglied der Schutzkommission des Bundesinnenministers und als UN-Delegierter für Schadensfeststellung und Koordination katastrophenmedizinische Konzepte. Aber wegen dieser Möglichkeit, in wenigen Tagen so vielen Menschen helfen zu können, deswegen lässt er sich immer wieder für solch einen Einsatz anwerben. Domres ist ein Chirurg, der mit wenigen Mitteln viel zu erreichen vermag. An seinem alten Arbeitsplatz an der Tübinger Universitätsklinik verfügte er über alles - professionelles Personal, perfekte OP-Säle, teure Diagnosegeräte. Aber er kann sich umstellen. Er hat gelernt, für die Soforthilfe ohne Hightech-Medizin auszukommen. Das hat er immer wieder bei Einsätzen geübt. In Haiti, wo es eigentlich an allem fehlte, was man in einer Notfallklinik braucht, musste Domres improvisieren. Er bastelte abenteuerliche, aber funktionierende Streckverbände für Menschen mit gebrochenen Beinen. Nahm Steine, um Streckverbände zu beschweren.
Er schnitt die gequetschte Muskulatur von Verschütteten auf, um das gefürchtete Crush-Syndrom zu verhindern: Die Vergiftung des Organismus durch das Protein Myoglobin, das in die Blutbahn eindringt und die Nieren zerstört. Er stillte Blutungen, desinfizierte Wunden, befreite von Staub angegriffene Atemwege. Griff zur Säge, um heillos infizierte Extremitäten zu amputieren. Und er brachte seinen Kollegen diese einfachen Techniken bei. Nie habe sie in so kurzer Zeit so viel gelernt, befand die Amtsärztin. Was Domres als das größte Lob empfindet. Seine Berufung zum Katastrophenmediziner erkannte Domres bei einem Aufenthalt in Schwarzafrika. Vor 35 Jahren, Domres hatte eben in Tübingen seine Facharztausbildung beendet, schickte ihn sein Chefarzt Leo Koslowski für ein Vierteljahr ans Nigeria Sacred Heart Hospital. Bis 1984 kehrte er zehn Mal an das Krankenhaus zurück und behandelte unter einfachen Umständen Afrikaner. Er fand immer wieder eine Lösung, wenn Medikamente fehlten. Verfügte er über keine Infusionsflüssigkeit, nutzte er den sterilen Saft einer frisch geknackten Kokosnuss. Hilft auch. In Nigeria wuchs seine Hochachtung vor Albert Schweitzer. Ihn kannte er schon als Bub von Erzählungen seiner Tante. Schweitzers Motto "Ehrfurcht vor dem Leben" machte er sich zu eigen.
Wenn Hilfe benötigt wird, dann ist Domres zur Stelle. Seinen ersten Erdbebeneinsatz leistete er 1980 in Algerien. Er war 1998 in Armenien, 1990 im Iran, 1999 in der Westtürkei, 2007 in Peru und 2009 in LAquila. Aber auch in Kriegsgebieten leistete er ärztliche Soforthilfe: In Kambodascha, in Kroatien, im Irak, in Ruanda. Eine nur unvollständige Aufstellung. Die Jahre 1984 bis 1988 verbrachte Domres in SaudiArabien: Er leitete als Chefarzt das King Khaled Hospital in der Wüstenstadt Hail - und ging dort nebenher seinem Hobby nach, der Archäologie. Aus seinen Streifzügen durch die Wüste Nafud entstand ein Buch über die vorgeschichtliche Felskunst der Wüstenbewohner.
Unter den Extrembedingungen von Katastopheneinsätzen wurde Domres zum Tüftler. In Kambodscha erfand er 1983 einen Fixateur aus Holz, ein äußerlich befestigtes Haltesystem zur Behandlung von Knochenbrüchen. "Das kostet nichts", sagt er, "das kann man vor Ort bauen." Als auf Haiti die medizinische Erstversorgung geleistet war, kehrte Domres heim nach Tübingen. Doch er wird zurückkehren auf die gepeinigte Insel. Er will sein Fachwissen für die Aufbauhilfe einsetzen.
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Wir organisieren unsere erste Veranstaltung, wenn Professor Domres wieder im Lande ist.
Hier der Flyer für unseren ersten humedica Forum BW - Vortrag:

Weitere Artikel finden Sie z.B. hier:
SZBZ (Sindelfinger Zeitung Böblinger Zeitung)
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Dezember 2009
humedica-Vorstandsmitglied besucht Krankenhaus im Gazastreifen
von Ruth Bücker, 11.12.2009
Auf die Erlaubnis, die Grenze von Israel in den Gazastreifen passieren zu dürfen, wartete Waltraud Walz am Grenzposten mehrere Stunden. Um das von humedica unterstützte Krankenhaus El Amal zu besuchen, nahm das aktive Vorstandsmitglied diese Umstände aber gerne auf sich. Der Weg über die Grenze von Israel in den Gazastreifen stellte ein langwieriges und sehr bedrückendes Erlebnis für Waltraud Walz dar. Hinter der israelischen Grenzstation befindet sich ein fast ein Kilometer langer Korridor, den Einreisende zunächst zu Fuß passieren müssen, um schließlich die palästinensische Grenze zu erreichen. Aufgrund der angespannten politischen Situation in Israel und dem Gazastreifen, gehören schwer bewaffnete Zöllner ebenso zur Normalität wie strenge Kontrollen. Bei Waltraud Walz und ihrem Begleiter dauerte das Prozedere drei Stunden, bis sie sich schließlich nach dem weiteren Passieren der palästinensischen Grenze auf den Weg in die Stadt Chan Yunis machen konnten.
Von dem Direktor und Ärzten des Krankenhauses El Amal wurde Waltraud Walz freundlich und herzlich empfangen: „Die Ärzte und der Krankenhaus-Direktor brachten so stark zum Ausdruck, wie dankbar sie für die Unterstützung von humedica sind. Mit der letzten Hilfssendung konnten wir diesem Krankenhaus ein gut erhaltenes, gebrauchtes EEG zur Verfügung stellen. Darüber waren sie sehr froh und es war auch schon während unseres Besuchs im Einsatz.“ Frau Walz wurde durch das Krankenhaus geführt und bekam einen Eindruck davon, was die Hilfslieferungen von humedica bewirken. „Dabei ist mir dann deutlich geworden, wie froh diese Menschen über die Hilfe von humedica sind. Hier konnte man wirklich sehen, dass unsere Unterstützung sehr hilfreich ist. Mich hat auch sehr beeindruckt, mit welcher Freundlichkeit uns die Palästinenser begegnet sind, was auch dazu beigetragen hat, dass ich mich in keiner Weise im Gazastreifen gefährdet fühlte.“ Die versendeten Hilfslieferungen erreichen zunächst den humedica-Mitarbeiter Esko in Israel. Er lebt in Jerusalem, fährt aber jede Woche für drei Tage in den Gazastreifen, wo er ein Lager hat und von dort aus Menschen in Not mit Medikamenten versorgt.
Alle 14 Tage führt er darüber hinaus einen Ärzteeinsatz mit palästinensischen Medizinern unter der extrem armen Bevölkerung durch. Bei jedem dieser Einsätze behandeln sie zwischen 100 und 350 Patienten. Warum Esko all die Strapazen, Gefahren und Risiken auf sich nimmt? Weil er ein gutherziger Mensch mit der festen Überzeugung ist, dass seine Hilfe für die Ärmsten im Gazastreifen auch eine Hilfe für Israel darstellt.
Bitte unterstützen Sie unser Engagement im Gazastreifen mit einer gezielten Spende auf dieses Konto:
humedica e. V. Stichwort "Gaza"
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren
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